Modereco / Mäßigung nachhaltig.besser.leben

Kontakt/Impressum

Nachhaltiger Konsum?

02.09.2014 | von Susann Haase

Selten genutzte Kuchen- und Muffinform

Den gibt es nicht! Entgegen aller Werbestrategien über tolle Ökosachen, biologisch angebaute Ressourcen, biologisch abbaubare Abfälle und nachhaltig hergestellte Kleidung kann es keinen nachhaltigen Konsum geben. Das alles benötigt nämlich: Ressourcen.

Wir sind vor kurzem umgezogen. Und dabei wurde mir wieder deutlich bewusst, wie viel Zeug wir doch haben. Für unseren Drei-Personen-Haushalt haben wir unzählige Kisten benötigt. Was zum Geier ist da nur alles drin? Ich habe während des Studiums ein halbes Jahr im Ausland verbracht. Alles, was ich wirklich benötigt habe, hat in einen großen Koffer gepasst. Zugegeben, da war kein Küchenzeug dabei und auch Bettzeug (also Decke und Kissen) habe ich aufgrund des Platzmangels nicht mitgenommen. Warum also besitzen wir so viele Dinge? Und warum ist es „schlimm“ so viele Dinge zu besitzen? Und was gibt es für „Auswege“?

Zuerst die einfachere Frage: Warum ist es gut, wenig zu besitzen? Weil es Ressourcen benötigt. Hier ein Beispiel: In unserem Haus wohnen sechs Parteien. Alles junge Familien, man kennt sich, trifft sich im Garten, die Kinder spielen miteinander. Wie viele Grills werden wir wohl benötigen? Theoretisch nur einen. Denn sollten tatsächlich mehrere Parteien grillen wollen, grillen wir sowieso zusammen. Und wie viele Waschmaschinen benötigen wir? Gut, mehr als eine (es fällt doch viel Wäsche an), aber braucht wirklich jeder Haushalt eine eigene? Was ist mit Bohrmaschinen? Oder den Muffin-Backformen? Oder den Gästematratzen? Oder den Autos, die 23 Stunden am Tag rumstehen? Statt jedoch sich in diese Dinge reinzuteilen oder sie untereinander zu verleihen, hat jeder Haushalt etwas Eigenes. Können wir uns ja leisten! Und so gibt es keinen Streit, wenn die Backform vom Nachbarn nicht so sauber hinterlassen wird, wie man selbst es gern hätte. Aber alle diese Dinge wurden aus Rohstoffen hergestellt, die ja irgendwo herkommen. Viele dieser Gegenstände werden außerdem nicht bis zum Ende ihrer Lebensdauer genutzt, sondern oft vorher weggeschmissen. Kurz, es ist Verschwendung, Dinge zu besitzen, die man nicht wirklich regelmäßig benutzt (siehe: Bild oben "selten genutzte Kuchen- und Muffinform").

Warum nun besitzen wir so viel Zeug? Da hilft vielleicht der Versuch, zu analysieren, was wir besitzen, aber nicht benutzen. Fangen wir doch mal mit der Küche an. Wir hatten eine Küche mit wenig Stauraum. Trotzdessen haben wir bei unserem Umzug fünf große Kartons mit Geschirr, Töpfen, Plastikdosen gefüllt. Vieles davon ist in täglicher Benutzung. Backformen jedoch nicht. Plastikdosen haben wir auch sehr viele. Und Schüsseln. Davon abgesehen, geht es einigermaßen. 

Weiter mit dem Schlafzimmer: Da ist „überflüssig“: meine Unmengen Sport-T-Shirts, die es zu jedem noch so kleinen Schwimm- oder Sportfest gibt. Und jedes Jahr kommen neue hinzu. T-Shirts, die man nie anzieht: Welcher Erwachsene läuft damit draußen rum? Und so viele „Nachthemden“ kann auch keiner anziehen, wie ich T-Shirts habe. Umnutzung fällt also auch aus.

Außerdem haben wir eine kleine Campingausrüstung. Ein Drei-Mann Zelt, drei Schlafsäcke, zwei Isomatten. Wie oft werden die genutzt? Die Isomatten öfter, doch die restliche Ausrüstung war das letzte Mal letzten Sommer im Einsatz. Außerdem haben wir ca. zwei große Kisten Weihnachtsdeko im Schlafzimmer verstaut (wir haben einen feuchten Keller…): Vermutlich ist auch das mehr, als wir je aufstellen werden.

Das Kinderzimmer ist weitgehend frei von Dingen, die nicht genutzt werden. Dank der verliehenen Kleidung!

In unserem Wohnzimmer stehen drei Bücherschränke. Gut gefüllt. Wie viele Bücher kann ein Mensch gleichzeitig lesen? Richtig, genau eins. Vor allem aber: Wie oft liest man die meisten Bücher? Richtig, ein Mal. Warum also besitzen wir diese ganzen Bücher? Richtig, ich habe keine Ahnung… Von Büchern abgesehen, haben wir im Wohnzimmer noch einige Brettspiele, Bastel- und Nähsachen (inkl. Nähmaschine, die immerhin geliehen ist) und einige Ordner mit Dokumenten, von denen manche mehr, manche weniger wichtig sind.

Unser zweites Kinderzimmer (bald erst einmal Gästezimmer, bis jetzt Rümpelkammer) ist noch vollgepackt mit Kisten. Manchmal suchen wir etwas in diesen Kisten. Aber nicht oft. Offensichtlich sind in diesen Kisten Dinge, die wir nicht brauchen.

Wir besitzen also viel Zeug, weil wir es gelegentlich gern benutzen (Campingausrüstung, Brettspiele, Nähzeug und Weihnachtsdeko). Oder weil es uns „aufgezwungen“ wird (im Falle der Sport-T-Shirts). Oder weil es so üblich ist (im Falle der Bücher).

Was können wir dagegen tun? Wir können einige Dinge sicherlich gut verleihen. Dazu gehören Dinge, die man nur beim Umzug benötigt, Malerzeug oder Bohrmaschine. Oder eben unsere Campingausrüstung. (Gut, die Schlafsäcke vielleicht nicht unbedingt, aber Zelt und Isomatten auf jeden Fall.) Brettspiele kann man sich auch in Bibliotheken ausleihen. Oder mit Freunden, mit denen man öfter spielt, zusammenlegen. Bücher kann man sich ebenso aus der Bibliothek ausleihen. Um das also einmal zusammenzufassen: Leihen und Verleihen und gemeinsame Nutzung einiger Gegenstände würde uns viel viel weiter bringen.

Kann das funktionieren? Weitestgehend schon. In jeder WG wird tagtäglich demonstriert, dass man sich Waschmaschinen und auch Küchengeräte und -geschirr teilen kann. Natürlich gibt auch einmal Streit, aber anscheinend ist das nicht so schlimm, dass keiner mehr in einer WG wohnen möchte. Gemeinschaftswaschmaschinen sind in einigen Mietshäusern auch üblich, meist jedoch eher als „Notlösung“. Es gibt keinen triftigen Grund, warum das nicht Standard werden sollte. Leihen und Verleihen ist schon unüblicher. Bibliotheken funktionieren gut, im Freundeskreis wird getauscht. Aber die Bohrmaschine einem Unbekannten überlassen? Hier könnte man zumindest anfangen, innerhalb der Familie solche großen Geräte gemeinschaftlich zu kaufen. In einigen Familien funktioniert das sehr gut. Wer weit weg wohnt oder keine Familie hat, kann sich mit Freunden arrangieren. Da man den Nutzer kennt, geht man sicherlich auch mit den geliehenen Dingen sorgsamer um.

Und was mache ich jetzt, wenn mir Freitagmittag einfällt, dass ich gern noch ein Regal aufhängen möchte, aber meine Bohrmaschine leider verliehen habe? Richtig: Ich warte einfach bis Samstag. Es muss nicht immer alles sofort geschehen. Wir brauchen diese ganzen Gegenstände nicht, um glücklich zu sein. Der Besitz einer Malerrolle oder eines Zeltes macht mich kein bisschen glücklicher. Im Gegenteil. Je mehr Zeug ich habe, desto mehr Zeug muss gewartet werden, und je mehr das alles da ist, umso mehr kann ich es theoretisch jederzeit gebrauchen. Multioptionsstress, nennt man das wohl.

Also, nicht kaufen, sondern leihen. Und Dinge, die schon gekauft sind, fleißig weiterverleihen. Und vor dem Kauf der nächsten Backform einfach mal fragen, ob man diese wirklich benötigt oder sie nur Platz wegnimmt und man die wunderhübschen herzförmigen Kuchen nicht lieber dann und wann in der Konditorei kauft.